Silbermedaille bei internationalem Sensorikwettbewerb

Unsere Berufsschülerin Jana Bauer gewinnt Silbermedaille bei internationalem Sensorikwettbewerb in Paris

Anlässlich des Salon International de l’Agriculture in Paris, vergleichbar mit der Grünen Woche in Berlin, findet jedes Jahr ein Sensorikwettbewerb für europäische Weinbauschüler statt.

Deutschland wurde von den Winzerauszubildenden Jana Bauer und Leonie Lanzendorfer vertreten. Bei dem Wettbewerb mit mehr als zwei Dutzend Teilnehmern aus 13 europäischen weinbautreibenden Ländern lag die Pfälzerin Jana Bauer, Auszubildende im Weingut Heiner Sauer, Böchingen und Schülerin der Berufsschule für Wein- und Gartenbau am DLR Rheinpfalz, sogar auf dem ersten Platz. Im Finale musste sie sich nur einer Schweizer Meisterschülerin geschlagen geben.

Wir sagen herzlichen Glückwunsch!

Jana berichtet persönlich über ihre Erfahrungen in Paris:

Verkostungswettbewerb in Paris

In der Berufsschule wurden wir von Dr. Hill über den Verkostungswettbewerb „Concours des Jeunes Professionnels du Vin“ informiert, der im Rahmen der Landwirtschaftsmesse „Concours General Agricole“ in Paris -vergleichbar mit der Grünen Woche in Berlin- stattfindet. Deutschland dürfe zwei Vertreter anmelden und er fragte, wer seitens der Schule am DLR Rheinpfalz teilnehmen wollte.
Da ich große Lust hatte, auf diese Art weitere Erfahrungen zu sammeln und ich sehr gerne mehr über das Verkosten von Weinen lernen wollte, war mein Interesse direkt geweckt und ich meldete mich kurz darauf zur Teilnahme an. Zwei Wochen später bekamen Leonie Lanzendorfer (meine Mitstreiterin von der Berufsschule in Oppenheim) und ich die Gelegenheit, bei Herrn Dr. Wegmann-Herr typische französische Rebsorten genauer zu probieren, zu besprechen und sie geografisch einzuordnen. Denn wir wussten bereits, dass im Wettbewerb ausschließlich französische Weine verkostet werden, welche oft nur in bestimmten Appellationen Frankreichs hergestellt werden.

Am Rosenmontag ging es dann mittags los mit dem ICE von Mannheim nach Paris. Dort angekommen hatten wir den restlichen Abend Zeit, die anderen europäischen Teilnehmer kennenzulernen und den Tag mit gutem französischem Essen und netten Gesprächen ausklingen zu lassen. Den Dienstagvormittag nutzten wir, um Paris und ein paar Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Anschließend ging es am Nachmittag zur finalen Verkostungsvorbereitung auf die Messe. Dort wurden uns europäischen Teilnehmer/innen noch ein paar Tipps zu bestimmten Appellationen und Merkmalen der französischen Weine an die Hand gegeben. Den Rest des Tages schauten wir uns noch ein wenig auf der großen Landwirtschaftsmesse um.



Am Mittwochmorgen versammelten sich um 9 Uhr nun die 30 französischen und 28 europäischen Teilnehmer im Wettbewerbsraum, von wo aus wir eine eindrucksvolle Sicht über die Stadt inklusive Eifelturm hatten.

Nachdem schließlich alle Teilnehmer ihren Platz gefunden hatten und die letzten Vorbereitungen abgeschlossen waren, wurde der Wettbewerb durch die französische Fachjury eröffnet. Los ging es mit dem ersten Teil, bei dem es galt bei fünf unterschiedlichen Weinen Rebsorte, Preissegment, Jahrgang, klimatische Lage und Appellationen erkennen zu können. Die Weine wurden nacheinander eingeschenkt und man hatte zum Probieren und Erkennen der Merkmale des jeweiligen Weines fünf Minuten Zeit.



Im zweiten Teil sollten die Teilnehmer vier Weine qualitativ einordnen und nach visuellen und sensorischen Aspekten schriftlich bewerten. Je näher man hier an der Bewertung der Fachjury lag, desto höher die Punktzahl. Nach diesen zwei Runden wurden die Ergebnisse aller Teilnehmer durch die Fachjury bewertet und anschließend die drei besten französischen und drei besten europäischen Teilnehmer/innen verkündet.
Nachdem der dritte Platz an ein Mädchen aus Rumänien und der zweite an einen Schweizer Jungwinzer ging, verkündete die Jury Platz Nummer Eins: L’Allemagne, Jana Bauer. Es hat einen Moment gedauert bis ich es verstanden hatte, da er meinen Namen französisch aussprach („Schanna“), aber als es dann klick machte, habe ich mich natürlich riesig gefreut. In der dritten, und somit finalen Runde, mussten die Rumänin, der Schweizer und ich, separat voneinander einen Wein vor der sechsköpfigen Fachjury beschreiben und charakterisieren.
Ich kam als zweite nach dem Schweizer an die Reihe. In der Mitte des kleinen Raumes befand sich ein Tisch, darauf die Flasche Wein, ein Glas, ein Degustationsbehälter und ein Blatt mit den zu beschreibenden Kriterien darauf. Vor mir saßen die sechs Jurymitglieder, seitlich ein Protokollant, und zwei Beobachter. Die Flasche Wein war natürlich verdeckt zu verkosten. Anhand der kleinen Flaschengröße (375ml) und der goldgelben Farbe des Weines, erkannte man direkt, dass es sich um einen hochwertigen Süßwein handeln muss. Ich fing an, den Wein zuerst durch die visuellen Aspekte zu beschreiben, danach die Aromen in der Nase und letztlich den Geschmack. Holunderblüten, Honig und süße Mandeln waren meine ersten Assoziationen. Im Mund war der Wein vollmundig, mit einer reifen Süße und einer leichten harmonischen Säure. Außerdem waren der Ausbau, Besonderheiten der Herstellung, Rebsorte, Jahrgang, Preislage und Appellation zu beschreiben. Ich entschloss mich, folglich meiner sensorischen Wahrnehmungen für eine Chardonnay Spätlese, Jahrgang 2014/2015 für etwas über 25 Euro pro Flasche, mit Holzausbau.

Leider hatte ich bis dato noch keine Erfahrungen mit französischen Süßweinen. Ebenso argumentierte ich, dass Chardonnay in der Champagne und dem Burgund angebaut wird und der Wein dafür jedoch zu wenig Säure hat. Daher war ich mir bei Rebsorte und Appellation sehr unsicher und konnte keine genaue Herkunftsappellation definieren.

Letztendlich hatte der Schweizer hier den Vorteil, den Vin de Paille (sogenannter Strohwein) aus dem Jura zu erkennen. Er übernahm somit also die Führung und holte sich den ersten Platz.

Ich war jedoch keineswegs enttäuscht über meine Silbermedaille, ganz im Gegenteil. Für meine detaillierte und kenntnisreiche Weinbeschreibung bekam ich seitens der Jury großes Lob. Nach der Preisverleihung feierten wir an unserem letzten Abend gemeinsam mit den Schweizern den erfolgreichen Wettbewerb. Rückblickend auf diese vier Tage in Paris bin ich total glücklich und dankbar über die Gelegenheit, Teilnehmerin dieses Verkostungswettbewerbs gewesen sein zu dürfen und die Erfahrungen und den Erfolg als weiteren Ansporn für meinen weinbaulichen Werdegang mit nach Hause zu nehmen.


Jana Bauer, Klasse Winzer FIIb

Alle Fotos © Audrey Baumann




Lesen Sie auch hier ein Porträt über Jana Bauer aus der Rheinpfalz:

https://www.rheinpfalz.de/artikel/junge-deidesheimerin-erfolgreich-bei-verkostungswettbewerb/?tx_rhpnews_shownews[reduced]=true

Download: Sensorikwettberwerb Paris_Jana Bauer.pdfSensorikwettberwerb Paris_Jana Bauer.pdf


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