Vermehrung von Beet- und Balkonpflanzen

Allgemein

Wer nicht über geeignete Kulturräume wie Wintergarten oder Kleingewächshaus verfügt, sollte die Anzucht der Gemüse-, Beet- und Balkonpflanzen für die Frühjahrsbepflanzung dem Fachmann überlassen. Die Fensterbank eignet sich nur bedingt dazu. Voraussetzungen für eine erfolgreiche Jungpflanzenanzucht sind ausreichende Stellflächen, gute Belichtung und Temperatursteuerung. Problem bei Eigenanzucht: unzureichende Belichtung, daher schlechte Pflanzenqualität durch übermäßiges Längenwachstum.

Bei Gemüseanzucht wird ausschließlich generativ durch Aussaat vermehrt. Beet- und Balkonpflanzen werden zum Teil generativ oder vegetativ durch Stecklinge vermehrt. Der Hobbygärtner muss sich also für eine Vermehrungsart entscheiden, die ihm geeignet erscheint.

Vermehrung durch Aussaat

Bei der Aussaat von Beet- und Balkonpflanzen gelten die gleichen Regeln wie bei Gemüsesaat. Sehr feiner Saatgut oder Lichtkeimer werden nicht abgedeckt und erfordern noch mehr Aufmerksamkeit als grobes Saatgut von Gemüse und Zierpflanzen. Feines Saatgut vermischt man am besten mit etwas Sand um nicht zu dicht auszusäen. Die richtige Keimtemperatur liegt zwischen 14 und 18°C. Licht und Luft sind genau wie bei Gemüsesaat unerlässlich.

Pikiert wird auch hier wen die Keimblätter entwickelt sind und das erste Laubblatt sichtbar wird. Wenn die Platzverhältnisse es erlauben, kann sofort in einen 8 cm Topf pikiert werden, der bei Beet- und Balkonpflanzen oft schon der Endtopf ist. Sollte der 8 cm Topf nicht ausreichen, um die Pflanzen fertig zu kultivieren, muss in einen entsprechenden Endtopf umgetopft werden. Die Pikiererde sollte etwas Dünger enthalten, um die Sämlinge entsprechend zu ernähren. Topferde ist natürlich noch stärker aufgedüngt. Entsprechende Erden sind im Handel erhältlich
(z.B. Einheitserde, P = Pikiererde, T = Topferde).
Gegen selbst produzierte Komposterde spricht die Gefahr von Vermehrungspilzen, Belastung mit Unkrautsamen und einer ggf. ungleichmäßigen Nährstoffversorgung. Mischt man selbst eine eigene Anzuchterde, sollte sie daher im Backofen sterilisiert werden.

Vermehrung durch Stecklinge

Die vegetative Vermehrung durch Kopfstecklinge ist die einfachste und schnellste Art der Pflanzenvermehrung. Ideal wäre es, wenn man die Stecklinge im Frühjahr schneiden könnte. Steht ein Wintergarten oder Kleingewächshaus für die Mutterpflanzen zur Verfügung, schneidet man die Stecklinge im Januar bis März. Ist dies nicht der Fall findet der Stecklingsschnitt ab August bis zum Abräumen der Sommerbepflanzung statt.
Beim Schnitt der Kopfstecklinge gilt als Faustzahl: 3 Blattpaare je Steckling. Der Schnitt sollte mit einem scharfen Messer unterhalb des Knotens erfolgen. Blüten, Knospen und ggf. Nebenblätter sollten entfernt werden.

Gesteckt wird in eine nährstoffarme durchlässige sterile Erde. Multitopfplatten oder kleine Töpfe eignen sich für diese Vermehrungsart sehr gut. Alternativ dazu bieten sich Torfpresstöpfe an. Diese in Tablettenform erhältlichen Presstöpfe werden in Schalen oder auf Stellflächen ausgelegt, gewässert und quellen dann zu einem gefüllten mit einem feinen Netz umgebenen Kulturgefäß auf.

Die Stecklinge werden dann 1 bis 2 cm in die Erde mit einem leichten Druck eingesteckt, angegossen und hell und warm aufgestellt. Es empfiehlt sich die Stecklinge die erste Zeit nach dem Stecken mit einer Folie als Verdunstungsschutz abzudecken. Nach ca. drei bis vier Wochen beginnt der Steckling zu wachsen, was auf eine Wurzelbildung schließen lässt. Handelt es sich um eine Frühjahrsvermehrung, kann man zügig weiterkultivieren, d.h. je nach Bewurzelungsstärke umtopfen in den Endtopf, für Licht, Luft und genügend Stellfläche sorgen.

Will man kompakte Pflanzen, sollte man das frühzeitige Stutzen nicht vergessen (Entfernen des Mitteltriebes). Wird ein Hochstamm kultiviert, müssen alle Seitentriebe frühzeitig entfernt werden bis die Pflanze die richtige Höhe erreicht hat. Dann wird der Mitteltrieb entfernt und mit den neuen Seitentrieben eine Krone aufgebaut.

Bei Herbstvermehrung sollte nach der Bewurzelung in den Endtopf getopft und je nach Licht, Temperatur und Stellfläche kultiviert werden. Hier gilt wie bei der Aussaat: Je heller und so wärmer kann die Anzucht erfolgen, siehe vordere Seite!

Wenn die Pflanzen in Einheitserde angezogen werden, kann man davon ausgehen, dass für die nächsten vier bis sechs Wochen genügend Dünger zur Verfügung steht. Dann sollte mit einem Flüssigdünger für Blütenpflanzen 2 g auf 1 l Wasser nachgedüngt werden.


Viele Balkon- und Kübelpflanzen lassen sich aus Stecklingen ziehen, doch wer keine optimalen Anzuchtbedingungen hat, kauft seine Pflanzen besser in der Gärtnerei!
© DLR
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